Warum Sie Ihr Lesespektrum erweitern sollten

Es ist ein großer Unterschied, ob ich lese zum Genuss und Belebung oder zur Erkenntnis und Belehrung.

Johann Wolfgang von Goethe

Da hat er natürlich Recht, der gute von Goethe. Deshalb ist es ja auch so ein Gewinn, wenn man verschiedene Lesetechniken beherrscht. Vermutlich war zu seiner Zeit das Speed-Reading noch nicht bekannt. Wahrscheinlich hat vor allem die Lesehaltung und -erwartung den entscheidenden Unterschied gemacht, wie sich die Menschen damals einem Text genähert haben. Zur Erkenntnis saß man am Schreibtisch, zur Belebung im Garten. So stelle ich mir das zumindest vor.  Sicher ist jedenfalls, das Lesen ein Luxus war. Wer Zeit dazu hatte und auch das Geld, Bücher zu erwerben, der gehörte der besseren Schicht an. Heute ist Lesestoff immer und überall verfügbar und es ist fast unmöglich, nicht zu lesen.

Manchmal müssen wir auch Texte lesen, auf die wir gar keine Lust haben. Trockene Informationen, komplizierte Fachbücher, mit Fakten gespickte Berichte. Je nachdem, welchem Lesetypus wir angehören, liegt uns der eine Text mehr als der andere. Wenn wir aber durch das Lesen weiterkommen wollen, dann ist es unbedingt ratsam, sich auch jenseits des eigenen Lesetyps ein wenig umzusehen.

4 Lesetypen und warum Sie auch mal wildern sollten

Der Linguist Dr. Hans E. Giehrl unterscheidet vier Typen. Weil diese Einteilung empirisch nicht belegt ist, gibt es natürlich Kritik. Ich denke aber, sie spiegelt die Realtität gut wieder. Sie teilt unser Leseverhalten nach unseren Vorlieben ein und nach unseren grundlegenden Leseerwartungen. Vor allem wenn es um das Lesen in der Freizeit geht, richten wir uns doch meistens nach unseren Vorlieben. Es kann deshalb schon reichen, uns mal entgegen unserer Präferenzen für ein Thema oder ein Genre zu entscheiden, um den Horizont zu erweitern. Wenn wir dann noch die verschiedenen Lesetechniken drauf haben, können wir das ganze Spektrum ausnutzen.

  1. Der funktional-pragmatische Leser

    Dieser Typ sucht vor allem Informationen. Das gesammelte Wissen soll zur Orientierung dienen. Tageszeitungen und Wochenzeitungen gehören zur Lieblingslektüre. Soll ein neues Fachgebiet erschlossen werden, sucht sich dieser Typ gezielt die entsprechenden Bücher und ackert sie durch. Lesen hat also den Charakter einer Aufgabe. Diese Aufgaben sind auch immer mit einem konkreten Ziel verbunden: Anlegestrategien verstehen, Präsentationstechniken erlernen oder die Rhetorik für den nächsten Vortrag verbessern. Das Erschließen neuer Interessen steht dagegen nicht auf dem Plan. Auf der Strecke bleibt auch das Lesen zum reinen Vergnügen. Gerade aber durch Romane können wir – ganz ohne menschliche Interaktion – unsere Empathie schulen. Da kann es sein, dass die schwierigsten wirtschaftlichen Zusammenhänge zwar verstanden werden, aber die Mitmenschen ein Rätsel bleiben. Greifen Sie also in diesem Fall ruhig öfter mal zu einem Roman oder auch zu einer Biographie.

  2. Der emotional-phantastische Leser

    Dem Alltag entfliehen – das möchte dieser Lesetyp. Lesen ist für ihn ein eskapistisches Vergnügen. Abenteuer- und Liebesromane sind die Hauptnahrung. Vielleicht noch Biographien à la vom Tellerwäscher zum Millionär. Lesen dient vor allem dem Stressabbau. Eine wunderbare Methode, weil Sie damit Ihren Mitmenschen mit Ihrer schlechten Laune nicht auf die Nerven gehen. Aber was halten Sie denn von dem Gedanken, weniger in der „so tun als ob“-Blase zu verweilen und etwas mehr Ehrgeiz in Ihre persönliche Entwicklung zu stecken? Machen Sie sich auf die Suche nach einem Thema, dass Sie interessiert und fangen Sie mit einem Sachbuch an. Oder lesen Sie regelmäßig eine Wochenzeitung, um in der großartigen Vielfalt der Themen zu stöbern. Natürlich wird das Lesen etwas anstrengender werden. Lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen. Wenn Sie das Ganze auch noch effizient angehen wollen (damit auch Zeit für Ihre Romane bleibt), ist eine Schnell-Lesetechnik wie  BrainRead® genau richtig.

  3. Der rational-intellektuelle Leser

    Die Leseerwartung dieses Typs deckt sich mit der des funktional-pragmatischen Lesers. Es fehlt aber die konkrete Zielsetzung. Der rational-intellektuelle Leser möchte auch über seinen eigenen Erlebnishorizont hinaus mehr von der Welt erfahren. Also auch wenn überhaupt keine Notwendigkeit besteht, sich mit Rhetorik zu beschäftigen – der rational-intellektuelle Leser interessiert sich auch dafür. Die Neugier auf das was unsere Welt uns zu bieten hat ist groß genug, auch die abseitigsten Themen interessant zu finden. Deshalb liest dieser Typ auch Fachliteratur durchaus zum reinen Vergnügen und kann so Stress abbauen. Wenn Sie zu diesem Typus gehören, dann schöpfen Sie ohnehin schon ein sehr breites Spektrum aus. Damit der Griff zum Roman auch leicht fällt, können Sie eines Ihrer Lieblingsthemen zur Auswahlhilfe nehmen. Sehr viele Themen werden ja auch in Romanform behandelt – seien es Wirtschaftskrimis, historische Romane, Umweltutopien – lassen Sie sich einfach in einer Buchhandlung beraten.

  4. Der literarische Leser

    Der literarische Leser vereinbart fast alle Leseziele und -haltungen. Ablenkung, Orientierung, inneres Wachstum und Wissenszuwachs – das alles möchte dieser Lesetyp abdecken. Seine Lektüre ist deshalb auch variantenreich und meist anspruchsvoll. Gehören Sie zu diesem Typ, kann ich Ihnen eigentlich keine weiteren Ratschläge geben. Sie nutzen das Spektrum voll und ganz aus. mehr lesen
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Jetzt kaufen: BrainRead. Effizienter lesen – mehr behalten. Lesen wie die Schweden. Linde Verlag, Wien 2013

192 Seiten, EUR 16,80

Prof. (a.o.) Göran Askeljung ist Autor und Inhaber von BrainRead, Geschäftsführer und Senior Trainer bei Askeljung.com und immediate effects, Certified Facilitator und Partner von Consensus in NY, und Leitet Consensus Österreich und Deutschland. Er ist Professor am Institut für Sales & Negotiation am Georgian School of Management, Vorstandsmitglied in der Schwedischen Handelskammer in Österreich und Mitglied des Beirats von WdF. Er war früher u.a. als Managing Director von Microsoft MSN in Österreich und Geschäftsbereichsleiter von Ericsson Data CEE in Wien tätig. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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